Das Gürteltier.

IMG_7780

In diesem Geschäft am Gänsemarkt, im Souterrain, ja, genau da habe ich ihn entdeckt: einen dunkelblauen, herrlich geschmeidigen Ledergürtel, dicht besetzt mit glänzenden Nieten und glitzernden Krampen! Ein zeitmaschinengeschleudertes Exemplar wie aus den achtziger Jahren, im Gegensatz zu früher sogar bezahlbar. Muss ich haben!

Gewissensglöckchen gehört. Mühsam die Finger wieder eingeklappt, gewendet, Laden verlassen. Meine innere Alarmanlage fordert unbarmherzig Reflektion: Brauche ich wirklich noch einen Gürtel? Wenn ja, brauche ich diesen? Will ich wirklich noch totes Tier um die Hüfte tragen? Was habe ich über die Herstellung und das Färben von Leder gelesen, über den immensen Wasserverbrauch, über Verätzungen der Atemwege, über verseuchte Flüsse? Sind die Nieten aus Metall? Steht im Internet etwas über den Produktionsprozess, über den Rohstoff, seine Gewinnung, die Ausbeutung von Böden und Menschen? Und wer hat die Nieten und Krampen angebracht? Das riecht doch nach Kinderarbeit! Last but not least: Wem gehört eigentlich der Laden, in dem ich den Gürtel gesehen habe? Haben sich die Betreiber Werten wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Fairness verpflichtet?

Rumpflmumpf. Was, wenn ich diesen Gürtel trotzdem haben will?

Werbeanzeigen

A! Ward!

liebster-award1

Liebe ica von https://upcycleonyourown.wordpress.com/, herzlichen Dank für die Nominierung! Ich nutze die Chance sehr gern, weitere großartige „kleine“ Blogs zu empfehlen und nominiere

https://frausommersagt.wordpress.com/, weil sie Gedanken wie Murmeln ins Ziel schnippt.

https://ganzundgarsaisonal.wordpress.com/, weil mir ihre Idee ganz und gar schmeckt (sogar ohne Mango).

https://hollisbakeryblog.wordpress.com/, weil man ihre leckeren Kuchen ganz einfach selbst backen kann.

Hier sind die Spielregeln des Awards:

  • Bedanke Dich bei der Bloggerin oder dem Blogger, der dich nominiert hat und verlinke deren Blog.
  • Zeige, dass Dein Artikel zum Blogstöckchen “Liebster Award” gehört. Benutze dazu das Awardbild.
  • Beantworte 11 Fragen, die dir gestellt wurden und formuliere selbst 11 neue Fragen.
  • Nominiere bis zu 11 weitere, noch recht unbekannte Blogs und bitte sie, Deine Fragen zu beantworten. Informiere die Blogs über die Nominierung.

Und hier sind meine Fragen, knietief querbeet:

Welches Buch möchtest Du als nächstes lesen? Erdbeerzeit – wie isst Du sie am liebsten? Pfingsten in Sicht – welchen neuen Feiertag würdest Du gern einführen? Und welchen würdest Du gern abschaffen? Hamburg – wen lädst Du zu einer Hafenrundfahrt ein? Welche Person der Weltgeschichte leuchtet für Dich? Ein freier Sonntag – was machst Du? Am Meer – wohin fliegen Deine Gedanken? Der Klang welcher Sprache verzaubert Dich? Übernatürliche Kräfte – welche wählst Du für Dich? Dein Rezept für einen erfolgreichen Blog?

Velen Dank für´s Mitmachen! Janne.

Ein Bär und eine Bluse.

Dieser Beitrag wollte sich nicht schreiben lassen. Er sperrte sich und wollte nicht in die Tasten. Weil es eben nicht mehr so einfach ist, eine weiße Bluse zu kaufen. Wo ich sonst samstags shoppen ging, bedarf es nun als Umdenk-Bloggerin einer konsumkritischen Vorbereitung. Die Bloggerin flucht und fügt sich, nicht ohne ihre Leserinnen und Leser um Nachsicht  für die folgende Liste dessen zu bitten, was bei der Beschaffung zu bedenken wäre – in alphabetischer Reihenfolge :

Armlänge, Befestigung (bzw. Entfernbarkeit) der Produktinformation und des Labels, Bio-/Öko-Siegel, Corporate Identity, Design, Detox, Fairtrade, Farbton, Fashionfaktor, Fusselbildung, Garantie, Gefälligkeit, Geschmeidigkeit, Gewicht, Image, Klimaneutralität, Knitterneigung, Knopflochgängigkeit, Konfektionsgröße, Material, Modelügen, Nachhaltigkeit, Passform, Pflegebedarf, Preis, Qualität, Recyclingmöglichkeit,  Style, Tragegefühl, Umtauschmöglichkeit, Umweltverträglichkeit, Verarbeitung, Verfügbarkeit, Werbung, Wiederverkaufschance.

Wenn man nicht aufpasst, gibt man sein Geld bösen Firmen. Kauft man Schund oder die falsche Marke. Ruiniert man seine Credibility oder sein Konto oder ein inhabergeführtes Familienunternehmen oder die Weltmeere. Produziert Wohlstandsmüll oder ein Trugbild seiner Persönlichkeit. Gibt kein Statement oder eine traurige Figur ab. Gipfelt in Geschmacklosigkeit.

Der Beitrag wischt sich den Schweiß von der Stirn und versucht nicht mehr an den Bericht einer Fashionbloggerin zu denken, die sich ganz spontan – nach langem Überlegen – für eine lässige Kombi aus Blue Jeans und weißer Bluse entschieden hat,  um sich 5 Minuten allein auf dem Balkon bei einem Himbeer-Soja-Cappuccino mit Pistazientopping zu „entspannen“. Und ihrer „Hallo-meine-Lieben“-Leserin dringend zu empfehlen, lieber etwas mehr auszugeben für zeitlose Qualität. So, als wäre das gute Stück im nächsten Jahr nicht auch Last Season. Als wenn es ewig passen würde (mir, zu meinen Vorlieben, zum neuen Job). So, als wenn man nie wieder eine andere Bluse bräuchte, weil man viel zuviel für das blöde Ding ausgegeben hat, um es einfach wegzugeben.

Der Bär und der Beitrag schauen sich ratlos an. Der Bluse ist es vollkommen egal, wie und von wem sie produziert wurde. Die Bloggerin ist genervt und möchte sich in Zukunft jedenfalls keine Pelztiere mehr aufbinden lassen. Der Beitrag will jetzt unbedingt die Worte „Vertrauen“, „Werbung“ und  „Manipulation“ schreiben, der Bär gähnt und denkt sich ein neues Logo für ein Gütesiegel aus. Und ich geh jetzt klickshoppen. Einfach so.

IMG_7710

(PS, eine Woche später und noch ungebügelt: gefunden auf otto.de)

Ein Seitensprung.

IMG_7172

Angeregt von Tina und ihrem Projekt „Mein Leben im Umbruch“  https://siebenund40plus.wordpress.com/2015/03/15/mein-leben-im-umbruch-wie-fuhlt-ihr-euch/  habe ich in den letzten Wochen häufiger versucht, mich mit Gleichaltrigen über die Wechseljahre zu unterhalten und fand zu meiner Überraschung heraus, dass das kein Thema (mehr) ist. Im Prinzip waren sich alle einig, dass es sich um eine Erfindung der Pharmaindustrie handelt. Oder eine Frage der inneren Einstellung. Oder der richtigen Ernährung. Ich solle mehr Soja-Produkte essen. Und Östrogen-Yoga machen. Auch die einschlägigen medialen Ratgeber üben sich in Optimismus und Durchhalteparolen: Dies sei doch eine wunderbare Zeit des Wandels und neuer Chancen!

Ach ja, Probleme haben die Damen natürlich auch nicht. Genauso wenig, wie ihre Kinder je Läuse hatten. Oder der Ehemann impotent und die mächtige Tomatenpflanze gedüngt ist. Wie heißt das böse Wort noch gleich? Tabu?

Dass die Kinder aus dem Haus sind, heißt ja nicht, dass man mehr Zeit hätte, um sich die Fußnägel zu polieren. Es bedeutet, dass man wieder in Vollzeit arbeitet, dass man abends abgekämpft nach Hause kommt. Dass man die sozialen Kontakte nicht mehr richtig pflegen kann. Dass man sich aus den Augen verliert. Dass man nicht mehr rennen kann, weil die Blase nicht mehr hält. Dass im Umgang mit dem anderen Geschlecht wirklich gar nichts mehr so funktioniert wie früher. Dass man als Frau länger allein bleibt, gar nicht selten auch für immer. Dass man nackt schläft, weil man nicht fünf Mal pro Nacht die nassen Klamotten wechseln möchte. Und dass man trotzdem den ganzen Tag friert. Dass man in den Spiegel schaut und sich fragt: „Diese Frau mit den schütteren Haaren, den Hängebäckchen und den müden Augen – bin ich das?

Klar würde ich gern ganz natürlich und in Würde altern. Geht aber nicht. Meckern muss schon erlaubt sein. Sogar in einem Blog, in dem es eigentlich um etwas ganz anderes geht.

 

Verzettelt.

block 1

Morgen bin ich eingeladen zum Geburtstagskaffee bei einer ehemaligen Nachbarin. Sie ist eine wahre Recycling-Spezialistin, allerdings weniger aus politischen Gründen, sondern schlicht aus Geiz. Sie hat es damit -als einzige aus unserem Kreis- zu einem eigenen Haus gebracht, belegt so auch den wirtschaftlichen Vorteil der Wiederverwertung von Rohstoffen nachdrücklich. Sie kauft abgelaufene Lebensmittel, plündert die Mülltonnen am Rande der Flohmärkte („Was die alles wegwerfen!“), spricht die Leute auf dem Recycling-Hof an, wenn sie etwas Bestimmtes braucht: technische Geräte, Möbel, Fahrräder – gibt es alles umsonst. Aus dem Freundeskreis bekommt sie abgelegte Kleidung, Bücher, CD´s. Was sie nicht braucht, gibt sie weiter oder ebay. Ach ja, nötig hatte sie es nie.

Zum Geschenk. Dieses Jahr habe ich mich anregen lassen von Vera vom re:blog (https://www.otto.de/reblog/notizbuecher-aus-altpapier-2707/), die Notizbücher bastelt. Habe mir die Werbeilagen vom Wochenende geschnappt und losgeschnippelt, statt sie – wie sonst – einfach wegzuwerfen. Ein Deckblatt getuscht, dann ab in den Copy-Shop eines Bekannten, der hat´s an einer Seite verleimt, fertig. Die liebe Eike bekommt nun (außer einer Tüte mit Klamotten, die mir zu eng sind) einen selbstgebastelten Hast-mal-´n-Zettel-Block aus Altpapier. Wird sie mögen. Ich übrigens auch: Das kleine Ding ist perfekt für die Handtasche und das Handschuhfach im Auto. Schluss mit zerrupften Rechnungen, Schreiben, Quittungen, die man auf die Schnelle – Sie wissen schon. Weil man NIE ein Stück Papier griffbereit hat, wenn man´s braucht. (Denken Sie nur an den Klassiker – eine Windschutzscheibennachricht. Das kann kein Handy :-))

block3

block 2