Supersaftig.

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Wenn Dir zwei nette junge Frauen im Supermarkt anbieten, neue Säfte zu testen – wer kann dazu schon nein sagen? Dass man sich hinterher zum Kauf mindestens einer Flasche genötigt fühlt – egal. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Habe heute Mittag also den ersten Kontakt mit einem halben Liter Superfood gehabt, konkret mit einem Karotten-Apfel-Ananas-Saft. Pardon: Superjuice. Das bedeutet frisch & roh & kaltgepresst & keine Zusätze und: gesund. Mein Testurteil: Schmeckt lecker. Und über die vielen bunten Vitamine freue ich mich natürlich auch. Aber warum will sich denn bloß das versprochene Hochgefühl nicht einstellen? Warum jubilieren meine inneren Organe nicht? Warum möchte ich nicht sofort um die Alster laufen? Liegt es etwa daran, dass das Gesöff auch zum Vorzugspreis noch vier Mal soviel kostet wie ein Kilo frisches Obst? Dass es in einer Plastikflasche mit gelbem Punkt verkauft wird, die ein bisschen unangenehm riecht? Dass ich ´mal wieder auf gutes Marketing hereingefallen bin?

Haben da vielleicht ein paar Strategen gebrainstormed: Was muss auf dem Etikett stehen, damit die Leute jeden Preis bezahlen? Bio muss. Vegan auch. Frisch. Vitamine. Pur. Irgendetwas mit 100 %. Natürlich. Nur beste Zutaten. Wie wäre es mit Organic? Warum nicht auch etwas Wildes, zum Beispiel Revolution? Au ja, das machen wir!

Woher wissen wir eigentlich, dass Goji-Beeren geiles Zeug sind? Und Algen? Und Quinoa? Und wie heißt noch gleich der schwarze Supersamen, Chia? Machen diese Sachen wirklich einen Unterschied? Oder sind positive Effekte nicht eher die Folge einer bewussteren, gesünderen und vor allem abwechslungsreichen Ernährung?

Ich weiß es nicht. Aber morgen hole ich mir Orangen und presse sie selbst aus. Besser geht es nämlich nicht.

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Was vom Lieblings-T-Shirt bleibt.

Wir müssen noch einmal über Klamotten reden. Vor allem über Lieblings-T-Shirts. Solche, die über Nacht viel zu eng geworden sind oder löchrig. Solche, die verfärbt sind und nun drecksfarben in der Schublade versauern. Die nicht mehr gut genug sind, um sie in die Altkleidersammlung zu geben, und noch viel zu gut, um im Müll zu landen.

Und jetzt die Wahrheit: Solche, von denen man sich trotzdem einfach nicht trennen kann, wie vom Howe-Gelb-Tour-T-Shirt, von der ein Vogelrad reitenden Amazone, vom dicken Mädchen im roten Tutu mit Zauberstab.

Was cool ist, das liegt ja gerade bei bedruckten T-Shirts sehr im  –  Auge. Vor vielen Jahren sind wir mit einer Mutti und ihren Kleinen auf Djerba shoppen gewesen. Naima führte uns weg vom Touristenmarkt in Houmt Souk auf einen abseits gelegenen Platz, auf dem auf riesigen überdachten Tischen die „Klamotten der toten Weißen“ verkauft wurden: Berge von T-Shirts, Jeans, Kleidern, Pullovern und Jacken. Während ich mit sicherem Blick nach Markenklamotten für ganz kleines Geld wühlte (und fand), zog der 11-jährige ein offenbar vom örtlichen Bäcker gesponsortes fussballtrikotähnliches Shirt eines Dorfvereins aus der Eifel heraus. Das Töchterchen fand etwas Blaues mit einem cocktailschlürfenden Pelikan, und der Große ein kleines angsteinflößendes Heavy-Metal-Schwarzes.

Weil meine Lieblings-T-Shirts hoffentlich auf solchen Märkten landen, gebe ich die Noch-Guten gern in die Kleiderspende. Die anderen kommen weg, jedoch nicht ohne wenigstens teilweise einem weiteren guten Zweck zugeführt zu werden. Schnippschnapp, Stückschen ab in die Schatzkiste und bei Bedarf wiederverwenden: Sieht mein Parka nicht toll aus?