Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nie zu fragen wagten.

Leider reingefallen. Neudeutsch heißt die Methode click baiting, und schon Woody Allen, der die Sache mit dem content bzw. dem nicht-content in seinem kongenial albernen Film auf die Spitze getrieben hat, wusste, was er damit anrichtet. Dass es dieses Wort damals noch nicht gab – wurscht. Dass unter einem solchen Titel auch keine ernsthafte journalistische Auseinandersetzung mit irgend etwas erfolgt, ist Ihnen klar. (Obwohl ich kurz erwogen habe, über essbare Unterwäsche zu sinnieren.) Aber die Spielregeln verlangen, dass ich Ihnen jetzt leicht konsumierbaren Sondermüll serviere. Hier sind also die tataaaaa: 3 nervigsten Marketing-Tricks:

1. Kennen Sie schon unser tolles neues Produkt?

Haben Sie schon einmal versucht, einen Newsletter abzubestellen? Richtig, geht nicht, trotz gegenläufiger Versicherung auch nach ca. 200 Klicks nicht. Marketing-Experten glauben fest daran, dass viel Post viel Segen bringt, und der Kundschaft ein Sonderangebot oder eine Rabattaktion vorzuenthalten? NIEMALS! Da hilft nur eines: Legen Sie sich ein Trash-Postfach an, falls Sie erwägen, jemals wieder ein Fotobuch zu bestellen.

2. Oh, Kundschaft! oder: Warum man grimmige alte Damen nicht grüßen sollte.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass das freundliche „Hallo“ und das zärtliche „Hejjjjj“ nicht mir gelten, sondern meinem Portemonnaie. Dass es nicht Schulfreunde meiner Tochter, Nachbarskinder oder sonstige entfernte Verwandte sind, die mich wie eine alte Bekannte begrüßen, sondern Angestellte. Die mich fragen, ob ich Hilfe brauche? Ob ich mich allein zurechtfinde? Oder ob ich etwas Bestimmtes suche? Weil ich so aussehe, als sei ich hilflos, orientierungslos, und heillos überfordert mit Shopping? Nein danke, ich schaue mich nur um und dann gehe ich wieder. Ja danke, ich finde selbst hinaus.

3. Das sollten Sie niemals alleine öffnen.

Ich bin tatsächlich ausgesprochen markentreu, weil ich mit nachlassender Sehkraft beim Kauf auf den optischen Wiedererkennungswert meiner Lieblingsprodukte angewiesen bin. Andere sind aufgeschlossener: Was da alles auf dem Förderband liegt und zur Kasse rumpelt – phantastisch! Design und Lifestyle pur, so – gefaltet, aufgepustet, bebuntbildert und betextet! So – hip und cool und nice! Nun sind Verpackungen ja eigentlich per se zu verpönen, aber manchmal recht nützlich. Wenn man doch bloß erkennen könnte, was wohl darin steckt…

Was ich schon immer über Nachhaltigkeit wissen sollte, aber bisher nicht zu sagen wagte? Es würde noch besser funktionieren, wenn auch Werbung und Marketing  kreativ einsteigen. Das Potenzial ist gewaltig. Denken Sie zum Beispiel an die neuen Männer. Es war ja lustig, als Werbung noch Herrn Supersaubersympathisch zeigte, der auf einem spiegelnden Boden bundesdeutsche Probleme seriös löste. Aber es ist doch viel entzückender, wie sich die Werbekerle von heute, beseelt von modernster Technik und berauscht von ihren eigenen Kochkünsten, liebenswert zum Affen machen. Oder zum Sexobjekt. Wenn die dann auch noch für Alternativen zu Palmöl, Fertigpizza und Einwegrasierern schwärmen würden und uns im Elektroauto überholen – perfekt.

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Spekulatius Wars.

Wenn ich also erfahre, dass ein junger Padawan, dem ich auf das Herzlichste verbunden bin, wirklich leidet, weil seine geliebten Gewürzspekulatius mit Palmöl hergestellt werden – dann leide ich mit. Aber da muss er durch: Es bleibt ja eine ständige Herausforderung, den Verführungen der dunklen Seite der Macht zu widerstehen. Ich finde aber, am 1. Avent  sollte er nicht, und deshalb habe ihm einen vorweihnachtlichen Käsekuchen gebacken, mit Spekulatius und alles bio. Dann klappt’s auch mit dem Jedi.

Für die kleine Springform: 100 g Gewürzspekulatius, 30 g Butter, maximal 100 g Zucker (besser weniger), 2 Eier, 400 g Frischkäse, 1 Esslöffel Zitronensaft. Spekulatius fein zerbröseln, Butter schmelzen und mit den Bröseln mischen, fest in die Form drücken, vorbacken muss nicht. Eier und Zucker schaumig rühren (viel Luft soll’s fluffiger machen), danach Frischkäse und Zitronensaft unterrühren. In die Form geben. Der Kuchen verträgt auch ein paar Früchte, mit aufgetauten Himbeeren macht man nichts falsch. Im Ofen bei 170 Grad Celsius backen und im Auge behalten: Backzeit mindestens 40 Minuten, manchmal sogar länger. Und manchmal muss man ihm noch einmal kurz richtig einheizen…

Besser sparen.

Wir wollen ja alle gern Energie sparen. Und Wasser auch. Warum und wie, das brauche ich niemandem mehr zu erklären. Und dass man bitte als erstes die guten alten Energiefresser entsorgt, damit wir gutes umweltfreundliches elektrisches Zeug richtig teuer neu kaufen, das haben wir auch schon verinnerlicht. Natürlich achten wir fein auf Zertifikate, die in beinah unmoralischer Weise Sicherheit und Umweltverträglichkeit zu garantieren scheinen: feigenblattgrüne Engel, Gütesiegel, Aufkleberchen für ein reines Gewissen. Was ich leider gern vergesse: Elektrische Geräte gehen trotzdem kaputt. Neuerdings eher früher als später (man munkelt, das sei kein böser Zufall). Meine Waschmaschine zum Beispiel, drei Jahre alt, Energieeffizienzklasse A+++, schleuderte nicht mehr, von einem Tag auf den anderen. Und so suchte, fand und rief ich einen Reparaturdienst, der damit wirbt, alles Gute wieder heile zu machen. Der Kerl kam, sah, kassierte und sagte: „Die Elektrik. Wirtschaftlicher Totalschaden. Neukauf. Kann ich die alte zum Ausschlachten haben?“ Aha.

Wütend mit der Hand zu waschen, das ist auf lange Sicht keine Lösung. Und meine Bereitschaft, mich wochenlang in Elektromärkten herumzutreiben, Preis-Leistungsvergleiche anzustellen und den umweltfreundlichsten, nachhaltigsten und politisch korrektesten Waschvollautomaten zu ermitteln, die lag bei Null. Bei Otto gab es online ein Sonderangebot, ein Markengerät mit Öko im Namen – gekauft. Wäscht. Das muss reichen.

Ein guter Blog würde jetzt gute Ratschläge liefern und sagen, wie man es vermeidet, immer neue Geräte in immer kürzeren Abständen anschaffen zu müssen. Aber das ist hier ja bloggerinnenbedingt vor allem ein fail better-Blog, so dass ich Ihnen herzlich zuraunen darf: Ich weiß es doch auch nicht. Geringe, aber immerhin Erfolgsaussichten bietet die Idee, zu mieten statt zu kaufen, oder Garantieverlängerungen zu vereinbaren (empfiehlt sich aber nur bei absehbar intensivster (Ab-)Nutzung). Ansonsten scheint billiger Schrott ebenso lange zu halten wie teurer Schrott, so dass der beste Ratschlag wohl auch hier lautet: Fragen Sie sich, ob Sie das Gerät wirklich brauchen. Und ob es Alternativen gibt.

Ein Beispiel: Als meine Kaffeemaschine fauchend implodierte, nahm ich den alten Porzellanfilter wieder in Betrieb und brühe seitdem von Hand auf. Den teuren, fair gehandelten Kaffee natürlich. Mit einer Prise Zimt oder Kakao. Sooooooo gut…

Einmal regeln, bitte.

Liebe Bürokolleginnen und -kollegen! Ich möchte Ihnen kurz in Erinnerung rufen, was ein Thermostat ist: Damit stellt man die Zieltemperatur eines Raumes bzw. der Stelle, an der der Temperaturfühler befestigt ist, ein. Zieltemperatur bedeutet: Die Heizung oder die Klimaanlage heizt, bis diese Zieltemperatur erreicht ist. Sie brauchen nicht alle fünf Minuten eine neue Zieltemperatur einstellen, denn Sie können damit nicht Ihre Körpertemperatur regeln. Wenn Sie schwitzen, obwohl Sie eine sehr niedrige Zieltemperatur eingestellt haben (z. B. die „2“, etwa 5 Grad Celsius, damit die Rohre nicht einfrieren), dann sollten Sie zum Arzt gehen. Oder ein Kleidungsstück ablegen. Oder damit aufhören, Liegestütze im Büro zu machen. Auch die für Schlafzimmer empfohlene Raumtemperatur von etwa 15 Grad (Einstellung „3“) ist für  Büros nicht geeignet, jedenfalls solange nicht, wie dort keine Daunendecken bereit liegen.

Eine Zieltemperatur von 18 bis 21 Grad Celsius wäre die Einstellung der Wahl. Und machen Sie sich keine Sorgen, dass es richtig kuschelig werden könnte, wenn Sonneneinstrahlung oder ungewöhnliche Menschenansammlungen hinzukommen. Sie erinnern sich: Wenn die Zieltemperatur erreicht ist,  schalten Heizung oder Klimaanlage ab. Sie brauchen sie nicht extra ausschalten. Falls Sie jedoch zu ersticken drohen ob der unerträglichen Hitze, öffnen Sie gern das Fenster. By the way: Wissen Sie noch, was „Stoßlüften“ bedeutet?

Und hören Sie auf, von Klimakatastrophe, Heizkosten und Umweltfreundlichkeit zu faseln. Wenn die Leute in Mänteln und mit Wollplaids über den Knien im Büro sitzen und nichts mehr mit Ihnen zu tun haben wollen, dann kann Ihnen der Rest der Welt auch egal sein.

Kleinvieh.

Hier ist eine winzige Mini-Fliege, und sie möchte in meine Nase. Sie versucht es immer wieder. Ich dufte offenbar vielversprechend nach Lebensraum, doch meine Schleimhäute sind für sie tabu. Und tödlich. Aber das weiß sie nicht. Ihr nicht nachlassender, lebensgefährlicher Eifer rührt mich ein bisschen. Sie nervt und wäre längst tot. Wäre. Wenn mein Kollege nicht wäre.

Der schaut mir wachsam beim Wegwedeln und Pusten zu. Ich habe ihm versprochen, in seiner Gegenwart keinem Tier etwas zuleide zu tun, das mich nicht ernsthaft bedroht. Weil er ein Tierfreund ist. Keiner von der Sorte, der den eigenen Hund mit ins Bett nimmt oder seiner Katze etwas zu Weihnachten schenkt. Oder der mir mit Sternchen in den Augen erklärt, dass auch dieses Lebewesen eine Seele hat und den Schmerz spürt. Er sagt, diese Fliege hat eine Bestimmung: Ein Vogel oder eine Assel oder die Einzeller im Büro-Teppichboden werden sie fressen. Oder sie pflanzt sich in der Büro-Orchidee fort und ihre Nachkommen werden irgendwann Hunderte von Büro-Einzellern nähren – wer weiß schon, was sich daraus Schönes entwickelt in ein paar Millarden Jahren? Oder sie findet und bestäubt draußen genau jenes Kräutlein auf dem begrünten Dach eines städtischen Parkhauses, das wie meine Nase riecht und am Beginn der Nahrungskette für Parkdachtausendfüßler steht? Oder irgendwann als Heilpflanze gegen Varroatose entdeckt wird? Wer weiß? Es gibt unzählige kleine Fliegen, aber jede  einzelne zählt.

Heben Sie jetzt gerade zweifelnd Ihre Augenbrauen? Ja, es ist nur eine Fliege. Und ein Mensch ist nur ein Mensch.

Interregional.

Aus der Reihe: Beiträge, die mit „eigentlich“ anfangen. Weil es dann erstens anders und zweitens kommt. Hier zum Beispiel ein mit guten Vorsätzen gepaarter Neuanfang. Und weil wir noch bei den Vor-Sätzen sind: Nein, die Liebe findet mich nicht. Und ich sie auch nicht. Aber jetzt geht es los:

Eigentlich wollte ich Äpfel holen. Auf dem Wochenmarkt bietet samstags ein junges Paar seine selbst gepflückten, regionalen Prachtstücke an, viele Sorten. Meine Lieblinge heißen dieses Jahr „Rubens“ – knackig, säuerlich, so saftig, dass es nach dem Hineinbeißen die Hand hinabrinnt. Und während der Bauer mir 3 kg abwog, fiel mein Blick auf die Kiste zu seiner Linken: Mangos? Ich sprach ihn an. Er konnte nicht widerstehen, erklärte er mir, „das sind die Besten, frisch vom Großmarkt.“ Flugmangos werden reif geerntet und eingeflogen, nicht unreif geerntet und verschifft. Den Unterscheid merkt man im Preis und im Geschmack: Sie sind köstlich. „Ja, gern“, zwei Stück durfte er mir einpacken.

Schon auf dem Fahrrad war das Ungleichgewicht der Äpfel und der Mangos in den Tüten rechts und links am Lenker unangenehm spürbar. Ich überlegte mir Ausreden: Flugmangos kaufe ich doch nur ausnahmsweise. Nur weil ich eine extrem harte Woche hatte. Nur weil der Bauer ja auch daran verdient. Nur weil es echt schade wäre, wenn sie gammeln, weil niemand sie kauft – wo sie nun schon ´mal da sind. Nur weil das Kind sie so gerne isst. Nur weil bald Weihnachten ist.

Dauerte gar nicht lange, da setzte die Trotzphase ein: Ich lass mir meine Flugmangos nicht verbieten. Meine Orangen und Mandarinen auch nicht. Datteln und Feigen nicht. Und Zimt und echte Vanille zum Backen erst recht nicht.  Was wäre das ohne wohl für ein Apfelkuchen?

Aber ein Bösewicht bin ich deshalb nicht. Oder doch?