Voll der Teller.

Eben noch sitzt die Familie im engsten Kreis friedlich am Osterkaffeetisch und befasst sich konzentriert mit der Schokocreme-Blaubeertorte, da bricht unerwartet Streit aus: Wohin gehen wir essen an Pfingsten? Zum Stadtteil-Griechen? Zu einem anderen Griechen? Muss es denn immer griechisch sein?

Sieben Leute haben Meinungen. Die meiner Mutter zählt ein wenig mehr (sie will ihre Gyros in Sahnesauce, egal wo), die meiner Schwägerin auch, weil sie sie lautstark vertritt. Meine Schwester deutet an, nicht mitzukommen, wenn sie ihren Willen nicht kriegt. Das Töchterchen versucht zu moderieren, ihr Cousin wirft mit zusammengeknülltem Silberpapierkügelchen nach seiner Oma. Mein Bruder macht komische Geräusche, weil er eigentlich auf die Toilette muss, aber nix verpassen will. Und ich, ich hole den Zeigefinger heraus.

Denn im Gegensatz zu allen anderen griechischen Restaurants, die ich so kenne, gibt es in „meinem“ keine riesigen Fleischberge auf riesigen Tellern mit trockenem Reis und ekligen Pommes, sondern richtig leckeres, frisch zubereitetes Essen. Nicht mal das Tzatziki ist von Aldi. Das Wichtigste: Die Portionen sind machbar. Wer sich nicht satt fühlt, fragt nach und bekommt nach. Auch Fleisch. Und wenn es jemand trotzdem nicht schafft, bekommt man die Reste eingepackt. Hier werden keine Lebensmittel weggeworfen. So will ich es haben, wenn ich essen gehe.

Mein Neffe bohrt in der Nase. Meine Schwägerin findet die Portionen generell zu klein. Meiner Schwester schmeckt griechisches Essen eigentlich nicht. Aber bei ihr um die Ecke hat ein neuer Grieche aufgemacht, mit einer ganz süßen Bedienung, da würde sie schon gern. Mein Bruder möchte Kunde König sein. Wenn er auf sein Essen warten muss, nur weil der Laden voll ist: Geht gar nicht. Da muss der Chef doch mal. Findet meine Mutter auch. Der holt immer schon den Mavrodaphne heraus, wenn sie kommt. Ganz netter Kerl. Das Töchterchen tritt mich unter dem Tisch, „schweig!“ heißt das. Ich versuche, mich damit abzufinden, dass ich Pfingsten nur überbackenen Schafskäse bei irgendeinem Griechen essen werde, zwischen staubigen Plastikpflanzen und plüschiger Götterdeko. Klappt aber nicht.

Mein Zeigefinger steht wie eine Eins. Meine Mutter bringt das Eierlikör-Eis. Wir können doch mal etwas Neues ausprobieren, sagt sie.

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3 Gedanken zu „Voll der Teller.

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