Wisch und weg.

Manchmal tropfen mir die Buchstaben direkt in die Finger, und dann schreibe ich ohne nachzudenken. Wenn ich zum Beispiel über deutsche Wetterfrösche wettern möchte, die noch immer jede sich abzeichnende dunkle Wolke bejaulen. Und Wetter nur dann schön finden, wenn es trocken ist. Weil es den meisten Medien leider nicht reicht, Fakten zu verkünden, werden „Emotionen“ über die Nachricht gestülpt – leider die falschen. Denn wenn man nicht gerade unerwartet klitschnass wird, ist Regen ganz wundervoll! Jedes Paradies braucht Wasser. Da kann man ruhig ´mal frohlocken, dass es ordentlich vom Himmel kommt. Auf Regen folgt Sonnenschein. Weiß jedes Kind.  Und um mit Anlauf in eine Pfütze zu springen, dafür ist man nie zu alt.

Manchmal fällt es mir schwerer. Wenn drei junge Bergsteiger verunglücken, zum Beispiel. Weil eine Lawine abging, wo keine abgehen durfte. Man könnte sich jetzt fragen, was sie da oben am Gipfel eines so gefährlichen und abgelegenen Berges überhaupt zu suchen hatten. Und für was es sich lohnt, sein Leben zu riskieren. Was das für eine unbändige Lebenslust ist, die diese drei wohl angetrieben hat. David Lama, Hansjörg Auer und Jess Roskelly waren Stars – ich kannte sie nicht. Die Nachrufe in den sozialen Medien sind beeindruckend, die Trauer groß: Ein geradezu verschwenderischer Einsatz von Emoticons (variabel drei betende Hände, drei Tränengesichter, drei schwarze Herzen), und unzählige RIP´s soll dies belegen. Dass sie „am Berg geblieben“ seien, relativiert die Tatsache nicht, dass sie mausetot sind. Und die Annahme, dass sie in diesem Zustand alle an sie persönlich  gerichteten Worte lesen oder hören würden – daran muss man wohl glauben. Unvergessen werden sie bleiben, das versichert man sich gegenseitig. Und kehrt zurück zur Tagesordnung: Wer kraxelt denn heute wo hinauf? Oh mein Gott! Amazing!

Der Klimawandel hat viele Gesichter.

 

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Brief an jemand, der das sowieso nicht liest.

Als Mädchen wollte ich Wellensittichzüchterin werden. Weil ich den Piepmätzen das Sprechen beibringen wollte. So richtig, nicht bloß nachplappern. Die kleinen Australier schienen mir Potenzial zu haben. Ein wenig forschen und fördern und dann voilá – budgietalk!. Und dann wollte ich Astrophysikerin werden. Weil ich wissen wollte, warum mir immer schwindelig wurde, wenn ich Sterne sah. Und warum sich dieses starke, unbestimmte Glücksgefühl einstellte. Staunen, Angst, Neugier, Ehrfurcht, die Unerreichbarkeit, die Unendlichkeit  – irgendetwas macht der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel mit uns. Eine Ahnung von.

Das Schönste an den Tagen in den Bergen im September waren die Sternennächte. Bummelige tausend Meter höher als Hamburg – das ergibt einen atemberaubenden Unterschied. Sternenmeer – so hell! So nah! Die Milchstraße so dicht, als wär das nix, so mal eben statt Straßenbeleuchtung. Und dann diese eine Nacht, in der Schleierwolken oder Luftfeuchtigkeit oder ein Watzmann dafür sorgten, dass sich jeder Himmellichtpunkt wie in einer Milchglasscheibe über mir brach, glitzernd, schimmernd, funkelnd…

Heute war ich eine Viertelstunde lang unterwegs in Richtung Westhavelland. Die International Dark Sky Association hat diese Gegend als Sternenpark anerkannt – weil es dort dunkel ist. So dunkel, dass man bei Neumond und klarem Himmel mehr sternkucken kann als irgendwo sonst. Keine „Lichtverschmutzung“ (ja, hier ist der Blogbezug. Das bin ich Ihnen schuldig. Schreib ich später ´mal drüber.)  Heute hätte alles gepasst. Aber ich bin umgedreht, als mir klar wurde, dass ich keinen Sternenhimmel brauche, um mich seinem Geheimnis zu nähern. Wenn ich daran denke, wie ich Dich zum ersten Mal sah. Du öffnetest die Tür, ich ging auf Dich zu, legte die Hand dahin, wo Dein Herz schlug und fragte: „Bist Du echt?“ Deine Antwort war: „Du auch?“ und dann nahmen wir uns in die Arme.  So ist das mit den Sternen.