Klickvieh.

Ja, ich knipse. Jeden  Tag. Mit meinem Handy, das ich immer dabei habe. Die Stadt ist voller Motive, voll inspirierender Lichter, überraschender Perspektiven. Und oh die Schnappschüsse: Die Maus, die mich staunend durch die Scheibe der Chocolaterie beobachtete. Das junge Paar im Bus, das versuchte, sich auch im Schlaf noch zu küssen (und mit zwei geöffneten Mündern scheiterte). Nicht zu vergessen das tägliche Wolkentheater: Himmelbilder habe ich hunderte. Und Bäume, die niemand so fotografiert wie ich: als Zauberdächer.

Natürlich möchte ich diese Photos gern zeigen. Das eine oder andere findet Verwendung im Profil von WhatsApp oder in Beiträgen, aber ansonsten beschränkt sich das Interesse meiner sozialen Umgebung auf die, auf denen sie/er zu sehen  ist.  Die Lösung lautete: Instagram. (Dachte ich. Interessenten und Herzchen – yeah!)

Ein Jahr später habe ich ab und an ein Herzchen erhalten. Aber nur ab und an. Denn Likes bekommt man nur, wenn man selbst liked. Und Follower nur, wenn man selbst folgt. Ohne Follower bekommt man gar nix. Wenn man richtig erfolgreich ist, dann erhält jedes Photo tausende von Likes und Lob und Herzchen. Ob das Photo taugt, ist wurscht. Soweit ich es beurteilen kann, reicht es, die Farben hochzudrehen, Filter zu benutzen und dicke aufgemalte Augenbrauen (a.k.a. Haut) zu zeigen. Oder so etwas  Ähnliches wie ein isländischer Fußballspieler zu sein (erkennt man am Verhältnis von Followern zu Verfolgten).

Wenn man aber nur Pics liked, die man wirklich toll findet, und nur Leute abonniert, deren Pics man wirklich sehen möchte, dann bekommt man 0 Likes und 0 Follower und ist nicht erfolgreich.  Aber dafür sehe ich nur interessante Photos und bin kein Klickvieh. Das ist doch auch ganz schön :-).

PS: Nö. Sag ich nicht.

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Mein Schatz.

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Ich habe sie alle geliebt: Das dicke Nokia mit integriertem Funkmast, die Minis in Edelplastik mit knarzigen Wechselcovern, mit erster und später sogar korrekter Fotofunktion (man konnte das Motiv erkennen :-)): Kleine Wunder der Technik. Klar rede ich von meinen Handys. Wie viele habt Ihr noch zu Hause herumliegen?

Ein halbes Dutzend habe ich aufbewahrt. Weil ich versuche, mit allem zu rechnen, bin ich gern gut ausgestattet. Ich könnte – rein theoretisch – aus dem Stand zwei Laternen basteln (falls Kinderbesuch oder Martinsumzug…), mich ein halbes Jahr von Dosenfrüchten ernähren (falls Obstembargo oder Mandarinensteuer…) und aus meiner Faschingskiste jeden fiesen Modetrend der letzten 5 Jahrzehnte nachstylen (falls Partyeinladung von Richard Gere…). Wer weiß denn, ob nicht gerade eines meiner alten Handys eines Tages die Menschheit retten wird, weil ausgerechnet mein Methusalem kompatibel mit den Kommunikationschips der Alien-Besatzer ist?

Als Film-Fan weiß ich, dass wahrscheinlich nur ein Handy aus LA oder New York die  Menschheit retten kann, weil Aliens immer nur dort landen. Als Neu-Ökovernünftige weiß ich, dass ich die Handys umweltgerecht entsorgen sollte:

  • Die großen Telefongesellschaften bieten die kostenlose Rücknahme alter Handys an. Sie werden entweder – nach Bergung der Schatzstoffe – fachgerecht entsorgt oder aufbereitet und weiterverkauft. Das soll laut Verbraucherzentrale sogar ganz gut sein, weil die Weiterverwendung umweltschonend ist und in Entwicklungsländern ein wichtiger Beitrag zur Ökonomie sein kann. Die Erlöse können an Umweltprojekte, soziale Projekte oder den WWF gespendet werden. Die Teledingsda bietet stattdessen auch einen Gutschein (natürlich einzulösen bei der Teledingsda) an.
  • Vereinzelt werben gemeinnützige Organisationen um unsere Schätze, z.B.  NABU, viafrica, CARITAS.
  • Die städtischen Recycling-Höfe nehmen die Handys selbstverständlich auch an.

Nach http://www.vz-nrw.de/wohin-mit-dem-alten-handy- sei die kommerzielle Handyeinsammlung vertrauenswürdig, da sich das Recycling aufgrund des hohen Edelmetallgehaltes lohnt. Lohnend ist auch der Weiterverkauf gebrauchter Handys, das belegt die Bereitschaft, pro Schatz 1 bis 3 € zu spenden. Diese Geräte können sich dann auch ärmere Menschen leisten, zumal es in weiten Teilen Afrikas nur Mobilfunk geben soll, aber kein Festnetz. Dort sei man auf Handys angewiesen.

Also: Es ist Vollmond. Falls nicht heute Nacht ein Alien in meinem Schlafzimmer landen sollte, werde ich morgen etwas Gutes tun.