Klickvieh.

Ja, ich knipse. Jeden  Tag. Mit meinem Handy, das ich immer dabei habe. Die Stadt ist voller Motive, voll inspirierender Lichter, überraschender Perspektiven. Und oh die Schnappschüsse: Die Maus, die mich staunend durch die Scheibe der Chocolaterie beobachtete. Das junge Paar im Bus, das versuchte, sich auch im Schlaf noch zu küssen (und mit zwei geöffneten Mündern scheiterte). Nicht zu vergessen das tägliche Wolkentheater: Himmelbilder habe ich hunderte. Und Bäume, die niemand so fotografiert wie ich: als Zauberdächer.

Natürlich möchte ich diese Photos gern zeigen. Das eine oder andere findet Verwendung im Profil von WhatsApp oder in Beiträgen, aber ansonsten beschränkt sich das Interesse meiner sozialen Umgebung auf die, auf denen sie/er zu sehen  ist.  Die Lösung lautete: Instagram. (Dachte ich. Interessenten und Herzchen – yeah!)

Ein Jahr später habe ich ab und an ein Herzchen erhalten. Aber nur ab und an. Denn Likes bekommt man nur, wenn man selbst liked. Und Follower nur, wenn man selbst folgt. Ohne Follower bekommt man gar nix. Wenn man richtig erfolgreich ist, dann erhält jedes Photo tausende von Likes und Lob und Herzchen. Ob das Photo taugt, ist wurscht. Soweit ich es beurteilen kann, reicht es, die Farben hochzudrehen, Filter zu benutzen und dicke aufgemalte Augenbrauen (a.k.a. Haut) zu zeigen. Oder so etwas  Ähnliches wie ein isländischer Fußballspieler zu sein (erkennt man am Verhältnis von Followern zu Verfolgten).

Wenn man aber nur Pics liked, die man wirklich toll findet, und nur Leute abonniert, deren Pics man wirklich sehen möchte, dann bekommt man 0 Likes und 0 Follower und ist nicht erfolgreich.  Aber dafür sehe ich nur interessante Photos und bin kein Klickvieh. Das ist doch auch ganz schön :-).

PS: Nö. Sag ich nicht.

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Liebe Werber, ich hasse euch.

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Ihr habt es gewagt, Jimi Hendrix´ Interpretation von „All along the Watchtower“ für Parfümwerbung zu verwenden, ihr Lurche! Ihr habt aus John Dunbar alias Frank Farmer alias Beau Burroughs einen Thunfischnascher gemacht. Aus einem Chemie-Baukasten wurde „Carmagnola-Minze“, und was „das Beste im Mann“ ist, weiß nur euer Rasierapparat. Wenn eure aprilfrischen Sauereien ans Licht kommen, weil eklige, schädliche, ja giftige Inhaltsstoffe eben doch nicht „die Kraft der Natur“ sind, dann werbt ihr auch noch damit. Man denke nur an die Deo-Sprays, die plötzlich alle 100 % aluminiumfrei sind. Ihr seid so verdammt – käuflich.

Das Schlimmste ist, dass ihr mich immer wieder kriegt.

Da gibt es diese Kosmetikkette, die ihre Produkte mit billigen, fragwürdigen Zutaten herstellt: Silikone, PEG´s, Parabene etc. Ansprechende Präsentation, ein hoher Preis, ein wirklich betörender Duft und ein winziges Tröpfchen „Bio-Arganöl“ hinzu, und schon bin ich davon überzeugt, dass ich ein gutes Shampoo kaufe. 6 Haarwäschen später ist meine Kopfhaut mit entzündeten Pusteln übersät und meine Haare fallen hochglänzend und dreiwettergeschützt aus. Liebe Werber, ich hasse euch.

Oder dieses wundervolle Vanilleeis mit Amarena-Kirschen und weißer Schokolade, das genau genommen nur aus Milchpulver, Zucker, Kokosfett, Emulgatoren, künstlichen Aromen und Farbstoffen besteht. Liebe Werber – ihr wisst schon.

Und dann gibt es da noch den Vorsatz, einen Monat lang keine Klamotten zu shoppen. Schon zeigt ihr mir pop up genau den hellen Wildleder-Rock, den ich schon mit 16 unbedingt haben wollte. (Ich glaube ja, die Moden vergangener Zeiten kommen nur deshalb immer wieder, damit wir heute die Sachen kaufen, die wir damals nicht tragen durften.). Schon hängt ihr in jeden zweiten Laden diese roten „SALE“-Schilder, und ich folge ferngesteuert mit fiebrigen Fingern. Beute gemacht, Vorsatz im Eimer.

Liebe Werber. Was, wenn ihr all eure Kreativität, eure Phantasie, euer strategisches Gespür und eure Geldgier nur für gute Produkte und verantwortungsbewusste Unternehmen einsetzen würdet? (Dann dürftet ihr meinetwegen auch Jimi Hendrix – und so.)