Plastik/Müll.

Ob ich eine Spielverderberin bin oder nicht? Diese Frage stellt sich in dem Moment, in dem ein netter Mensch meines Vertrauens feiert, dass er Ohrenreinigungsstäbchen ohne Plastik gekauft hat. Was soll ich tun: Loben oder hauen?

Wenn wir den Kindern doch noch eine halbwegs heile Welt hinterlassen wollen, geht das nicht mehr mit klitzeklein und Klopapier ohne Innenrollen. Es wird teuer, und es wird wehtun. An diesen Gedanken müssen wir uns nach 40 Jahren Umweltbewusstsein-for-fun gewöhnen. Also fragen Sie ruhig im Supermarkt nach kompostierbaren Obsttüten. Solange es Staaten gibt, die ihre Abfälle direkt in den Fluss oder ins Meer entsorgen, wird das nicht schaden.

Plastik ist kein anderes Wort für den Fürsten der Finsternis, sondern ein unglaublich wichtiger und vielseitiger Werkstoff. Schätzen wir ihn genug? Ich finde, wir müssen achtsam mit ihm umgehen, achtsamer als bisher. Und verstehen, dass er viel zu wertvoll ist, um ihn zu verschwenden. Da müssen wir ´ran. Über unser Konsumverhalten können wir mitbestimmen, Kunde König und so. Die gute Nachricht: Wir sind viele. Und: Mit der Erfüllung unserer Wünsche kann man Geld verdienen. Drei Vorschläge habe ich deshalb für Sie:

  • Hören Sie auf, Plastikmüll zu kaufen: Wegwerfartikel wie Einmalrasierer. Teller – und besteck. Konfetti, Geschenkpapier  und -band aus Plastik- oder Metallfolie, überhaupt: Dekoartikel aus Plastik. Finger weg. Der Mount Everest aus Billigklamotten, den die Textilindustrie periodisch produziert, die „modischen“ Plastikschuhe mit geringster Lebensdauer, der Ramsch, der uns als praktisches Schnäppchen überall angeboten wird. Wehren Sie sich. Kaufen Sie nicht.  
  • Kaufen Sie keine Sachen aus Plastik, die Sie nicht brauchen. (Das ist schwer. Habe mir den Werbeprospekt eines deutschen Discounters geschnappt und wollte ordentlich anprangern. Aber auch wenn niemand ein Einhorn als aufblasbares Schwimmtier braucht – kann man wirklich darauf verzichten? Wenn man großen und kleinen Kindern eine Freude machen kann? Da mache ich mich doch lieber unbeliebt und zeige mit dem Finger auf dekorative Kosmetikartikel in dekorativem Plastik.) Was brauchen Sie wirklich? Kann ich Ihnen nicht sagen. Entscheiden Sie selbst.
  • Kaufen Sie kein Gift. Davon ist viel in Plastik enthalten, und viel in den Produkten, die darin verkauft werden. Googlen Sie Bisphenol A. Laden Sie sich CodeCheck als App auf Ihr Handy. Dass Werbeversprechen eine Mischung und Märchen und Lügen sind, nehmen wir nachsichtig hin. Dass wir schädliche, zum Teil krebserregende Stoffe für unsere Körperpflege verwenden, weil wir den beworbenen (künstlichen) Duft mögen – geht’s noch? Das muss aufhören.

Je länger wir Plastikprodukte wiederverwenden, desto weniger müssen wir wegwerfen. Oder neu einkaufen. Klingt doch nach einem guten Anfang ?! Besser, als auf weitere Verbote zu warten. Wenn Sie also Ihr Zeug hegen und pflegen, dann machen Sie alles richtig.

Und ja, natürlich dürfen Sie gern weiter auch jeden anderen Beitrag zu mehr Umweltschutz leisten. Ich werde Sie schon nicht hauen.

(P.S. Das Photo zeigt Kunst auf dem Salzburger Mönchsberg.)

(P.P.S. Würden Sie es kaufen, wenn es einen Warnhinweis auf der Verpackung gäbe?

 

Werbeanzeigen

Als wäre nichts geschehen.

Dass ich bis zu drei Leserinnen und Leser habe, das weiß ich und das freut mich sehr. Nun scheint ganz unerwartet eine vierte dazu gekommen zu sein, die sich statt für Social Media für mich interessiert: Hallo ‚Tante‘ Brigitte! Und weil ich noch nicht recht weiß, wie sich das verbinden lässt, erzähl ich heute einfach –

von meiner Angst, dass ich an ihre Haustür klopfe, und meine Mutter nicht mehr öffnet. Dass Oma Hella den Winter nicht überleben würde. Dass es nie wieder Amseln in meiner Hood geben wird nach dem Usutu-Desaster. Dass ich einen schlimmen Treffer kassieren werde, nachdem es in den letzten Jahren meine liebsten Freundinnen mit Brustkrebs, Herzinfarkt und MS erwischt hat. Dass mein großes Kind heil bleibt bei dem Versuch, jeden Tag mindestens einen Berg zu versetzen.

Und dann passieren schlimme Dinge. Und schöne Dinge. Und Dinge: Meine smarte, selbstbewusste Beutetochter konvertiert und heiratet einen afghanischen Autohändler – ohne uns. Mein Neffe wird in wenigen Monaten Papa, und er hat wirklich keine Ahnung, wie er das gemacht hat (Die polnische Mama hat glücklicherweise alles fest im Griff.) Leute regen sich darüber auf, dass Schulkinder demonstrieren. Sie regen sich nicht darüber auf, dass in Sachen Klimaschutz viel zu wenig passiert. Der Mann, dem ich seit drei Jahren nachweine, wünscht mir suenos del oro. Mehr werde ich nicht bekommen. Und die Welt dreht sich einfach weiter.

Und plötzlich ist es Frühling. Einfach so. Als wäre nichts geschehen.

Warum ich Ihnen nichts mehr raten mag.

Der Vorteil selbstgewählter Schreibregeln ist ja, dass ich sie jederzeit brechen darf. Diejenige zum Beispiel, die dafür sorgen soll, dass ich Ihnen nicht in Ihre Timeline kotze. Bevor so etwas passiert, putze ich lieber das Treppenhaus. Oder den reinkarnierenden Arabbiata-Fleck auf dem Sofa … (Erledigt.) (Immer noch wütend.)

(Vielleicht wäre ich gelassener, wenn meine Füße nicht buchstäblich kaputtgegangen wären. Und ein Orthopäde, der aussieht wie der Adler aus der Muppet-Show, mir nicht Einlagen verschrieben hätte, die genau dort, wo es richtig weh tut, extra fies drücken. Das entlastet angeblich die Sehnen. Fühlt sich aber an wie Legosteine im Schuh. Während man einen Krampf hat. Und dann noch die Grippe. Seit drei Wochen. So sehe ich das Ummichherum nur mit tränenden Augen. Dass mit der Kettensäge gekahlt wird, zum Beispiel, gärtnerischer Frühjahrsputz, direkt vor dem Fenster wurden Nistplätze von Schwanzmeise, Zaunkönig und Amsel vernichtetAber nicht nur das.)

Man spricht über Mikroplastik in Kosmetik. Verbote sind kleinfeiner Scheiß, denn was ist mit dem riesigen Rest? Man spricht über Fahrverbote. Luftverschmutzung, Feinstaub, Stickoxide – alles böse. Und dann fordert irgendjemand irgendetwas, und das hilft vielleicht. Ein bisschen. Nur ein bisschen. Denn:

Wer stoppt die großen Dreckschleudern? Wer schafft das Silvesterfeuerwerk ab? Wer filtert Mikroplastik aus dem Abwasser jeder Waschmaschine? Wer reduziert den Reifenabrieb? Wer macht endlich den öffentlichen Nahverkehr attraktiv? Wer pflanzt Bäume in die Stadt? Wer rettet die Bienen? Wer schützt die Meere? Wer verschärft Klimaabkommen? Warum ist Sudan gestorben?

Auch wenn irgendwo noch ein Becher mit Sperma existiert: So ein letztes totes nördliches Breitmaulnashorn zeigt in aller Deutlichkeit, dass wir die Welt nicht hier  retten können, nicht im Deutschland-Paradies, nicht indem wir Kaffeebecher wiederverwenden und Glühbirnen auswechseln. Das glaubt vielleicht der Rest der Bande – aber nicht Sie. Nicht wir.

Das wenn-jeder-ein-bisschen-Konzept ist nice und die Idee gefällt mir immer noch. Aber das reicht nicht.

Gegen die Uhr.

1980 wurde die Sommerzeit verbindlich eingeführt. Der Ölkrise 1973 geschuldet und der Einsicht, dass Energie aus fossilen Brennstoffen nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht, wird seitdem zweimal pro Jahr an der Uhr gedreht. Ein Vorläufer der Energiewende also, mit eher nicht so bewusstseinserweiternder Wirkung: Angeblich habe das  Umweltbundesamt festgestellt, dass durch das Vor- und Zurückstellen der Uhren keine Energie gespart würde, weil man zwar weniger Licht brauche, aber dafür mehr heizen würde. Noch lustiger ist die Meinung der deutschen Energiewirtschaft (!), die angeblich seit Jahren keine Einsparungen durch die Sommerzeit erkennen könne. Meine Augenbrauen fragen sich einmal mehr, was die denn da eigentlich gemessen haben.

Seit 37 Jahren, eigentlich seit 39 Jahren (da wurde es probeweise eingeführt), startet nun alljährlich im Frühling das große Geheul aufs Neue: Jetzt muss man also wieder eine Stunde früher aufstehen, obwohl man abends eine Stunde länger wachbleibt. Rehe und Wildschweine werden überfahren, weil die nun mal nicht früher aufstehen und direkt in den Berufsverkehr geraten. Auch die Fütterungszeiten für das liebe Vieh sind betroffen, und so quält sich ganz Deutschland mit einmal einer Stunde Schlafentzug und einer Stunde früher Frühstück herum. Die Allgäuer Milchbauern sollen eine Lösung für das Problem gefunden haben: Weil ihre Milchkühe etwa zwei Wochen für die Umstellung der Melkzeiten brauchen, lassen sie sich einfach zwei Wochen Zeit mit der Umstellung. Das kann sich natürlich nicht jeder leisten. Schlimm.  Und dann noch die armen Menschen, die trotzdem  mit dem Auto zur Arbeit fahren müssen – der ADAC warnt vor Verkehrsunfällen. Schlimmschlimm.

Die große Müdigkeit ist das Gesprächsthema heute. Ich freue mich darauf, mich wie jedes Jahr unbeliebt zu machen, weil mir das gar nichts ausmacht. Und unschuldig zu fragen, ob die Umstellung auf die „normale“ Zeit im Herbst denn auch so viele Probleme verursache? Und wie man denn den Wechsel in eine andere Zeitzone verkrafte, bei Reisen zum Beispiel. Überhaupt Reisen: Wer ist noch nie mitten in der Nacht aufgestanden, um den Flieger morgens um 6 Uhr zu erreichen? Urlaub im Eimer, oder?

Ich mag Sommer und ich mag Sommerzeit. Schlimm?

Luftgetrocknet.

Habe extra, aber leider erfolglos gegooglet, um den link zu einem bestimmten Dokumentarfilm zu finden. Damit Sie nicht denken, ich hätte mir den nur ausgedacht. Es geht darin um eine Französin, die ganz oben in einem Hochhaus wohnt und viel Zeit auf ihrem Balkon damit verbringt, ihre Wäsche zu trocknen. Sie wäscht jedes Stück von Hand, vorsichtig, sanft, und hält es dann draußen in Sonne und Wind. Winkt, wedelt, segelt, geduldig. Sie liebt das. Sie ist ganz allein, ab und zu lässt sie einen Mann in ihr Leben, der sie trotz dieser Angewohnheit mit der Wäsche  gern vögelt, eine Weile jedenfalls. Und dann ist sie wieder allein und atmet das Licht und die Nacht und spiegelt in den Sternen ihre Sehnsucht. Sie hat einen Knall und meine volle Sympathie.

Denn ich weiß ganz genau, wie die Wäsche dieser Frau duftet. So wie ich weiß, wie Knie duften, wenn man einen Sonnentag am Meer verbringen durfte. Wie Babys hinter ihren Öhrchen duften. Und die Haut des Liebsten am Morgen nach langem Schlaf. Kein Parfum kann diese Düfte übertreffen. Und all die Waschmittel und Weichspüler, die gern so aprilfrisch tun, belügen die Nasen besonders unverschämt. Wer in überfüllten Bussen und Bahnen zur Arbeit fährt, weiß, wie aufdringlich und penetrant gerade auch sogenannte Wohlgerüche sein können. Und der Kollege fällt mir ein, der Hemd oder Büx am liebsten „frisch“ aus der Reinigung trägt – Nasensperrgebiet. Oder die Mami von Melanie Müller, die in der zweiten Klasse noch mehr Lenor nahm, damit der Goldgeist forte nicht mehr so prominent im Klassenzimmer schwebte. Die Raucherinnen, die mit halbiertem Geruchssinn olfaktorisch immer über´s Ziel hinausschießen. Die Raucher natürlich auch, oft allerdings auf eine etwas andere Weise…

Dass ich ´mal über Wäschepflege schreiben würde, ist eine Art Herrenwitz. Aber um der Weltverbesserei willen mache ich es: Weil sich da wirklich jeder selbst etwas Gutes tun kann. Und der Umwelt. Und dem Portemonnaie.  Es ist ganz leicht: Weniger nehmen ist viel mehr davon haben.

Tee.TIP

Eine besonders liebe Kollegin hat mich Anfang dieses Monats mit Bergfrische überrascht. Und Abendtraum. Mit Wiesen- und Wonnekräutern, mit Waldbären und Beeren-Waldmeister. Nicht zu vergessen: süße Winterfrüchte und Küstenwind. Und natürlich einem Blütenkuss.

Die Schachtel mit den 24 Teebeutelchen jeden Morgen zu öffnen und eines zu wählen, das ist wie früher, wenn einem jemand eine Handvoll irgendetwas hinhielt und sagte: Du darfst Dir eines aussuchen. Und man dann in Sekundenschnelle scannen, sortieren und bewerten musste. Ehrlich: Wer bitte konnte sich jemals wirklich zwischen einem Kirschlutscher und einem Salmi-Lolli entscheiden!?  Oder zwischen einem goldenen und einem silbernen Zopfgummi? So startete ich also jeden Dezember-Arbeitstag mit einem seligen Lächeln und dem erwachsenen Wissen, das das alles meins ist. Und weil heute Wintersonnenwende und überübermorgen Weihnachten ist, weil sich der Januar ganz hervorragend für Heißes eignet und – für Sie getestet – weil man damit wirklich Freude bereiten kann: Verschenken Sie eine schöne Schachtel voller verschiedener Teesorten. Gibt es in bio, ohne Gentechnik, klimafreundlich produziert, ohne Aromazusätze und überhaupt.

Das ist doch mal’n Tip.

PS: Ja, das ist wirklich eine Wärmflasche da auf meinem Schreibtisch.

 

Weil´s so schön ist: Weihnachtsbäckerei.

Ist der Backofen an, wird die Küche warm. Und das! ist das beste Argument für die Weihnachtsbäckerei überhaupt, noch vor lecker, selbstgemacht und schöner als die Polizei erlaubt. Und garantiert ohne Palmöl. Wir haben für unsere weihnachtlichen Heckenschweinchen, gut erkennbar an der red nose, natürlich nur Bioprodukte benutzt und die Butter gegen Margarine ausgetauscht. Aber experimentieren Sie gern selbst, hier ist das handschriftlich vom Töchterchen überlieferte Rezept:

150 g Mehl, 100 g Butter, 50 g Puderzucker, 1 Ei und 1/2 Päckchen Vanillezucker mit den Händen verkneten, dann eine Viertelstunde in Frischhaltefolie im Kühlschrank ruhen lassen. Backblech mit Backpapier auslegen, Backofen auf 170 Grad Celsius, kleine Kugeln mit Igelschnäuzchen formen und ungefähr 10 Minuten backen. Etwa 100 g Lieblingsschokolade im Wasserbad vorsichtig schmelzen, nicht zu heiß werden lassen. Wenn die Igel gut sind, kurz abkühlen lassen, an der Nase fassen und mit dem Rücken durch die Schoki ziehen, danach mit Kokosraspeln bestreuen. Die Äuglein haben wir mit geschmolzener dunkler Schokolade aufgepinselt, die Nase ist feinstes Himbeerpüree.