Warum ich Ihnen nichts mehr raten mag.

Der Vorteil selbstgewählter Schreibregeln ist ja, dass ich sie jederzeit brechen darf. Diejenige zum Beispiel, die dafür sorgen soll, dass ich Ihnen nicht in Ihre Timeline kotze. Bevor so etwas passiert, putze ich lieber das Treppenhaus. Oder den reinkarnierenden Arabbiata-Fleck auf dem Sofa … (Erledigt.) (Immer noch wütend.)

(Vielleicht wäre ich gelassener, wenn meine Füße nicht buchstäblich kaputtgegangen wären. Und ein Orthopäde, der aussieht wie der Adler aus der Muppet-Show, mir nicht Einlagen verschrieben hätte, die genau dort, wo es richtig weh tut, extra fies drücken. Das entlastet angeblich die Sehnen. Fühlt sich aber an wie Legosteine im Schuh. Während man einen Krampf hat. Und dann noch die Grippe. Seit drei Wochen. So sehe ich das Ummichherum nur mit tränenden Augen. Dass mit der Kettensäge gekahlt wird, zum Beispiel, gärtnerischer Frühjahrsputz, direkt vor dem Fenster wurden Nistplätze von Schwanzmeise, Zaunkönig und Amsel vernichtetAber nicht nur das.)

Man spricht über Mikroplastik in Kosmetik. Verbote sind kleinfeiner Scheiß, denn was ist mit dem riesigen Rest? Man spricht über Fahrverbote. Luftverschmutzung, Feinstaub, Stickoxide – alles böse. Und dann fordert irgendjemand irgendetwas, und das hilft vielleicht. Ein bisschen. Nur ein bisschen. Denn:

Wer stoppt die großen Dreckschleudern? Wer schafft das Silvesterfeuerwerk ab? Wer filtert Mikroplastik aus dem Abwasser jeder Waschmaschine? Wer reduziert den Reifenabrieb? Wer macht endlich den öffentlichen Nahverkehr attraktiv? Wer pflanzt Bäume in die Stadt? Wer rettet die Bienen? Wer schützt die Meere? Wer verschärft Klimaabkommen? Warum ist Sudan gestorben?

Auch wenn irgendwo noch ein Becher mit Sperma existiert: So ein letztes totes nördliches Breitmaulnashorn zeigt in aller Deutlichkeit, dass wir die Welt nicht hier  retten können, nicht im Deutschland-Paradies, nicht indem wir Kaffeebecher wiederverwenden und Glühbirnen auswechseln. Das glaubt vielleicht der Rest der Bande – aber nicht Sie. Nicht wir.

Das wenn-jeder-ein-bisschen-Konzept ist nice und die Idee gefällt mir immer noch. Aber das reicht nicht.

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Gegen die Uhr.

1980 wurde die Sommerzeit verbindlich eingeführt. Der Ölkrise 1973 geschuldet und der Einsicht, dass Energie aus fossilen Brennstoffen nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht, wird seitdem zweimal pro Jahr an der Uhr gedreht. Ein Vorläufer der Energiewende also, mit eher nicht so bewusstseinserweiternder Wirkung: Angeblich habe das  Umweltbundesamt festgestellt, dass durch das Vor- und Zurückstellen der Uhren keine Energie gespart würde, weil man zwar weniger Licht brauche, aber dafür mehr heizen würde. Noch lustiger ist die Meinung der deutschen Energiewirtschaft (!), die angeblich seit Jahren keine Einsparungen durch die Sommerzeit erkennen könne. Meine Augenbrauen fragen sich einmal mehr, was die denn da eigentlich gemessen haben.

Seit 37 Jahren, eigentlich seit 39 Jahren (da wurde es probeweise eingeführt), startet nun alljährlich im Frühling das große Geheul aufs Neue: Jetzt muss man also wieder eine Stunde früher aufstehen, obwohl man abends eine Stunde länger wachbleibt. Rehe und Wildschweine werden überfahren, weil die nun mal nicht früher aufstehen und direkt in den Berufsverkehr geraten. Auch die Fütterungszeiten für das liebe Vieh sind betroffen, und so quält sich ganz Deutschland mit einmal einer Stunde Schlafentzug und einer Stunde früher Frühstück herum. Die Allgäuer Milchbauern sollen eine Lösung für das Problem gefunden haben: Weil ihre Milchkühe etwa zwei Wochen für die Umstellung der Melkzeiten brauchen, lassen sie sich einfach zwei Wochen Zeit mit der Umstellung. Das kann sich natürlich nicht jeder leisten. Schlimm.  Und dann noch die armen Menschen, die trotzdem  mit dem Auto zur Arbeit fahren müssen – der ADAC warnt vor Verkehrsunfällen. Schlimmschlimm.

Die große Müdigkeit ist das Gesprächsthema heute. Ich freue mich darauf, mich wie jedes Jahr unbeliebt zu machen, weil mir das gar nichts ausmacht. Und unschuldig zu fragen, ob die Umstellung auf die „normale“ Zeit im Herbst denn auch so viele Probleme verursache? Und wie man denn den Wechsel in eine andere Zeitzone verkrafte, bei Reisen zum Beispiel. Überhaupt Reisen: Wer ist noch nie mitten in der Nacht aufgestanden, um den Flieger morgens um 6 Uhr zu erreichen? Urlaub im Eimer, oder?

Ich mag Sommer und ich mag Sommerzeit. Schlimm?

Luftgetrocknet.

Habe extra, aber leider erfolglos gegooglet, um den link zu einem bestimmten Dokumentarfilm zu finden. Damit Sie nicht denken, ich hätte mir den nur ausgedacht. Es geht darin um eine Französin, die ganz oben in einem Hochhaus wohnt und viel Zeit auf ihrem Balkon damit verbringt, ihre Wäsche zu trocknen. Sie wäscht jedes Stück von Hand, vorsichtig, sanft, und hält es dann draußen in Sonne und Wind. Winkt, wedelt, segelt, geduldig. Sie liebt das. Sie ist ganz allein, ab und zu lässt sie einen Mann in ihr Leben, der sie trotz dieser Angewohnheit mit der Wäsche  gern vögelt, eine Weile jedenfalls. Und dann ist sie wieder allein und atmet das Licht und die Nacht und spiegelt in den Sternen ihre Sehnsucht. Sie hat einen Knall und meine volle Sympathie.

Denn ich weiß ganz genau, wie die Wäsche dieser Frau duftet. So wie ich weiß, wie Knie duften, wenn man einen Sonnentag am Meer verbringen durfte. Wie Babys hinter ihren Öhrchen duften. Und die Haut des Liebsten am Morgen nach langem Schlaf. Kein Parfum kann diese Düfte übertreffen. Und all die Waschmittel und Weichspüler, die gern so aprilfrisch tun, belügen die Nasen besonders unverschämt. Wer in überfüllten Bussen und Bahnen zur Arbeit fährt, weiß, wie aufdringlich und penetrant gerade auch sogenannte Wohlgerüche sein können. Und der Kollege fällt mir ein, der Hemd oder Büx am liebsten „frisch“ aus der Reinigung trägt – Nasensperrgebiet. Oder die Mami von Melanie Müller, die in der zweiten Klasse noch mehr Lenor nahm, damit der Goldgeist forte nicht mehr so prominent im Klassenzimmer schwebte. Die Raucherinnen, die mit halbiertem Geruchssinn olfaktorisch immer über´s Ziel hinausschießen. Die Raucher natürlich auch, oft allerdings auf eine etwas andere Weise…

Dass ich ´mal über Wäschepflege schreiben würde, ist eine Art Herrenwitz. Aber um der Weltverbesserei willen mache ich es: Weil sich da wirklich jeder selbst etwas Gutes tun kann. Und der Umwelt. Und dem Portemonnaie.  Es ist ganz leicht: Weniger nehmen ist viel mehr davon haben.

Tee.TIP

Eine besonders liebe Kollegin hat mich Anfang dieses Monats mit Bergfrische überrascht. Und Abendtraum. Mit Wiesen- und Wonnekräutern, mit Waldbären und Beeren-Waldmeister. Nicht zu vergessen: süße Winterfrüchte und Küstenwind. Und natürlich einem Blütenkuss.

Die Schachtel mit den 24 Teebeutelchen jeden Morgen zu öffnen und eines zu wählen, das ist wie früher, wenn einem jemand eine Handvoll irgendetwas hinhielt und sagte: Du darfst Dir eines aussuchen. Und man dann in Sekundenschnelle scannen, sortieren und bewerten musste. Ehrlich: Wer bitte konnte sich jemals wirklich zwischen einem Kirschlutscher und einem Salmi-Lolli entscheiden!?  Oder zwischen einem goldenen und einem silbernen Zopfgummi? So startete ich also jeden Dezember-Arbeitstag mit einem seligen Lächeln und dem erwachsenen Wissen, das das alles meins ist. Und weil heute Wintersonnenwende und überübermorgen Weihnachten ist, weil sich der Januar ganz hervorragend für Heißes eignet und – für Sie getestet – weil man damit wirklich Freude bereiten kann: Verschenken Sie eine schöne Schachtel voller verschiedener Teesorten. Gibt es in bio, ohne Gentechnik, klimafreundlich produziert, ohne Aromazusätze und überhaupt.

Das ist doch mal’n Tip.

PS: Ja, das ist wirklich eine Wärmflasche.

 

Weil´s so schön ist: Weihnachtsbäckerei.

Ist der Backofen an, wird die Küche warm. Und das! ist das beste Argument für die Weihnachtsbäckerei überhaupt, noch vor lecker, selbstgemacht und schöner als die Polizei erlaubt. Und garantiert ohne Palmöl. Wir haben für unsere weihnachtlichen Heckenschweinchen, gut erkennbar an der red nose, natürlich nur Bioprodukte benutzt und die Butter gegen Margarine ausgetauscht. Aber experimentieren Sie gern selbst, hier ist das handschriftlich vom Töchterchen überlieferte Rezept:

150 g Mehl, 100 g Butter, 50 g Puderzucker, 1 Ei und 1/2 Päckchen Vanillezucker mit den Händen verkneten, dann eine Viertelstunde in Frischhaltefolie im Kühlschrank ruhen lassen. Backblech mit Backpapier auslegen, Backofen auf 170 Grad Celsius, kleine Kugeln mit Igelschnäuzchen formen und ungefähr 10 Minuten backen. Etwa 100 g Lieblingsschokolade im Wasserbad vorsichtig schmelzen, nicht zu heiß werden lassen. Wenn die Igel gut sind, kurz abkühlen lassen, an der Nase fassen und mit dem Rücken durch die Schoki ziehen, danach mit Kokosraspeln bestreuen. Die Äuglein haben wir mit geschmolzener dunkler Schokolade aufgepinselt, die Nase ist feinstes Himbeerpüree.

Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nie zu fragen wagten.

Leider reingefallen. Neudeutsch heißt die Methode click baiting, und schon Woody Allen, der die Sache mit dem content bzw. dem nicht-content in seinem kongenial albernen Film auf die Spitze getrieben hat, wusste, was er damit anrichtet. Dass es dieses Wort damals noch nicht gab – wurscht. Dass unter einem solchen Titel auch keine ernsthafte journalistische Auseinandersetzung mit irgend etwas erfolgt, ist Ihnen klar. (Obwohl ich kurz erwogen habe, über essbare Unterwäsche zu sinnieren.) Aber die Spielregeln verlangen, dass ich Ihnen jetzt leicht konsumierbaren Sondermüll serviere. Hier sind also die tataaaaa: 3 nervigsten Marketing-Tricks:

1. Kennen Sie schon unser tolles neues Produkt?

Haben Sie schon einmal versucht, einen Newsletter abzubestellen? Richtig, geht nicht, trotz gegenläufiger Versicherung auch nach ca. 200 Klicks nicht. Marketing-Experten glauben fest daran, dass viel Post viel Segen bringt, und der Kundschaft ein Sonderangebot oder eine Rabattaktion vorzuenthalten? NIEMALS! Da hilft nur eines: Legen Sie sich ein Trash-Postfach an, falls Sie erwägen, jemals wieder ein Fotobuch zu bestellen.

2. Oh, Kundschaft! oder: Warum man grimmige alte Damen nicht grüßen sollte.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass das freundliche „Hallo“ und das zärtliche „Hejjjjj“ nicht mir gelten, sondern meinem Portemonnaie. Dass es nicht Schulfreunde meiner Tochter, Nachbarskinder oder sonstige entfernte Verwandte sind, die mich wie eine alte Bekannte begrüßen, sondern Angestellte. Die mich fragen, ob ich Hilfe brauche? Ob ich mich allein zurechtfinde? Oder ob ich etwas Bestimmtes suche? Weil ich so aussehe, als sei ich hilflos, orientierungslos, und heillos überfordert mit Shopping? Nein danke, ich schaue mich nur um und dann gehe ich wieder. Ja danke, ich finde selbst hinaus.

3. Das sollten Sie niemals alleine öffnen.

Ich bin tatsächlich ausgesprochen markentreu, weil ich mit nachlassender Sehkraft beim Kauf auf den optischen Wiedererkennungswert meiner Lieblingsprodukte angewiesen bin. Andere sind aufgeschlossener: Was da alles auf dem Förderband liegt und zur Kasse rumpelt – phantastisch! Design und Lifestyle pur, so – gefaltet, aufgepustet, bebuntbildert und betextet! So – hip und cool und nice! Nun sind Verpackungen ja eigentlich per se zu verpönen, aber manchmal recht nützlich. Wenn man doch bloß erkennen könnte, was wohl darin steckt…

Was ich schon immer über Nachhaltigkeit wissen sollte, aber bisher nicht zu sagen wagte? Es würde noch besser funktionieren, wenn auch Werbung und Marketing  kreativ einsteigen. Das Potenzial ist gewaltig. Denken Sie zum Beispiel an die neuen Männer. Es war ja lustig, als Werbung noch Herrn Supersaubersympathisch zeigte, der auf einem spiegelnden Boden bundesdeutsche Probleme seriös löste. Aber es ist doch viel entzückender, wie sich die Werbekerle von heute, beseelt von modernster Technik und berauscht von ihren eigenen Kochkünsten, liebenswert zum Affen machen. Oder zum Sexobjekt. Wenn die dann auch noch für Alternativen zu Palmöl, Fertigpizza und Einwegrasierern schwärmen würden und uns im Elektroauto überholen – perfekt.

Besser sparen.

Wir wollen ja alle gern Energie sparen. Und Wasser auch. Warum und wie, das brauche ich niemandem mehr zu erklären. Und dass man bitte als erstes die guten alten Energiefresser entsorgt, damit wir gutes umweltfreundliches elektrisches Zeug richtig teuer neu kaufen, das haben wir auch schon verinnerlicht. Natürlich achten wir fein auf Zertifikate, die in beinah unmoralischer Weise Sicherheit und Umweltverträglichkeit zu garantieren scheinen: feigenblattgrüne Engel, Gütesiegel, Aufkleberchen für ein reines Gewissen. Was ich leider gern vergesse: Elektrische Geräte gehen trotzdem kaputt. Neuerdings eher früher als später (man munkelt, das sei kein böser Zufall). Meine Waschmaschine zum Beispiel, drei Jahre alt, Energieeffizienzklasse A+++, schleuderte nicht mehr, von einem Tag auf den anderen. Und so suchte, fand und rief ich einen Reparaturdienst, der damit wirbt, alles Gute wieder heile zu machen. Der Kerl kam, sah, kassierte und sagte: „Die Elektrik. Wirtschaftlicher Totalschaden. Neukauf. Kann ich die alte zum Ausschlachten haben?“ Aha.

Wütend mit der Hand zu waschen, das ist auf lange Sicht keine Lösung. Und meine Bereitschaft, mich wochenlang in Elektromärkten herumzutreiben, Preis-Leistungsvergleiche anzustellen und den umweltfreundlichsten, nachhaltigsten und politisch korrektesten Waschvollautomaten zu ermitteln, die lag bei Null. Bei Otto gab es online ein Sonderangebot, ein Markengerät mit Öko im Namen – gekauft. Wäscht. Das muss reichen.

Ein guter Blog würde jetzt gute Ratschläge liefern und sagen, wie man es vermeidet, immer neue Geräte in immer kürzeren Abständen anschaffen zu müssen. Aber das ist hier ja bloggerinnenbedingt vor allem ein fail better-Blog, so dass ich Ihnen herzlich zuraunen darf: Ich weiß es doch auch nicht. Geringe, aber immerhin Erfolgsaussichten bietet die Idee, zu mieten statt zu kaufen, oder Garantieverlängerungen zu vereinbaren (empfiehlt sich aber nur bei absehbar intensivster (Ab-)Nutzung). Ansonsten scheint billiger Schrott ebenso lange zu halten wie teurer Schrott, so dass der beste Ratschlag wohl auch hier lautet: Fragen Sie sich, ob Sie das Gerät wirklich brauchen. Und ob es Alternativen gibt.

Ein Beispiel: Als meine Kaffeemaschine fauchend implodierte, nahm ich den alten Porzellanfilter wieder in Betrieb und brühe seitdem von Hand auf. Den teuren, fair gehandelten Kaffee natürlich. Mit einer Prise Zimt oder Kakao. Sooooooo gut…