Winter – Rauszeit.

Weil es auch im Winter so wunderschön im Haus am Berg ist: Werbung ohne Worte.

https://www.raus-zeit.com/

Werbeanzeigen

Das Jahr, in dem Nelly Furtado „maneater“ sang.

Eigentlich wollte ich über das Älterwerden schreiben. Das ist ja eine gute Sache, weil wenn nicht, dann tot.

Ich wollte berichten von den „Nebenwirkungen“. Dass die nette Apothekerin mir freundlich, aber hartnäckig Produkte empfiehlt, die ich jetzt unbedingt brauche (u.a. exklusive Vitaminbomben und Kräutertees gegen Wallen, Nasenhaare und Demenz). Dass mir engagierte junge Männer in Handy-Läden nur noch Supersonderangebote ganz ohne Haken ichschwör ans Herz legen, und die Beraterin der Sparkasse eine Sterbeversicherung. Dass Google & Co. auch wissen, was ich brauche, nämlich nur noch das Beste vom Besten. Und Kreuzfahrten. Und eine Rolex. Sogar meine liebe Hausärztin bietet mir Leistungen an, die keine Kasse zahlt – wegen ihrer guten Erfahrungen. Mein neues Radl ist eines dieser City Blades, schwarz mit roten Details, ein echtes Angeberfahrrad, knie- und hüftschonend übrigens. (Auf- und Absteigen ist heikel, wenn ich das Bein nicht über die Mittelstange kriege, fallen wir um. Aber sonst: super!) Der Verkäufer hatte mir eigentlich zu einem 1.000 Euro-eBike mit tiefem Einstieg geraten. Und im Bettenladen wurde ich genötigt, mir endlich eine gute teure Matratze zu kaufen, nach all den Jahren der Aufopferung, des Leids, des Kampfes. Man solle sich doch etwas gönnen in meinem Alter.

2008 war ein gutes Jahr mit einem norddeutschen Sommer. Und mit einer Reise in den Norden Afrikas, mit barfuß auf heißen Böden, mit Nachtdrachen, mit dem wehenden Duft von Pfefferminz und Jasmin und einem verbotenen Moped für drei. Ich trug schwarz, fast ausschließlich schwarz, weil ich die Hitze des Sternenhimmels auch am Tage spüren wollte. Zehn Jahre später trage ich noch immer gern schwarz. Aber es scheint nicht mehr o.k. zu sein. So wie tief hängende Jeans. Mit Löchern. Mini-Röcke. Micky Mouse T-Shirts. Chucks. Und hüftlange Haare. Alles wie immer.  Aber das passt doch gar nicht mehr zu Dir, höre ich oft. In Würde altern geht anders. Man muss auch ´mal loslassen können (in Klammern: die Jugend).

Deshalb möchte ich jetzt nicht mehr über das Älterwerden schreiben. Das überlasse ich Frauen wie Amelie Fried und Birgit Schrowange , die Ihnen überzeugend und charmant versichern werden, dass alles ganz wunderbar ist, wenn man bloß die richtige Einstellung hat. Und alles, was nicht wunderbar ist, ist pure Einbildung. Überhaupt, sind wir nicht alle einfach wunderbar? (zwinker, zwinker)

Das Jahr, in dem Nelly Furtado „Maneater“ sang, war das letzte Jahr, im dem ich mich echt nicht darum geschert habe, wie alt ich bin. Das hätte gern so bleiben können.

California dreaming.


Einen Film über den Yosemite-Park gesehen, mich erinnert: Da war ich auch. Einen  Rucksack des Liebsten auf dem Buckel, ein Zelt, ein Flugticket, mehr brauchte es damals nicht, um vier Wochen durch den Südwesten der USA zu reisen. Geld? Man kann sich hervorragend von apple cinnamon tea und donuts ernähren, und die besten Sachen gibt es eh umsonst. Wenn wir wirklich etwas mehr haben mussten, wurde der nächste heranwedelnde Hund gestreichelt, tolles Tier! gorgeous! beteuert und erzählt, dass wir hamburger sind. Dann war uns eine Einladung sicher.

Heute nennen  wir es vielleicht Minimalismus, damals wusste ich nur, dass ich niemals mehr besitzen möchte, als in einen VW Bulli passt. Doch dann bekommt man ein Kind, baut ein Nest, baut eine Burg, und die Zwischenräume füllen sich, weil man viel mehr braucht für zwei. Viel kaufen konnte ich nicht: Wenn eine Frau nur ihre Liebe, ihre Haut, ihren Stolz und einen Halbtagsjob hat, dann ist Geld ein schwieriges Thema. Unterhalt habe ich nie akzeptiert, um nicht in Abhängigkeit zu geraten, betteln oder streiten zu müssen, die Beziehung nicht zu belasten, ein „freikaufen“ zu verhindern – ach. Auch Geschenke habe ich verweigert, wollte niemandem etwas schuldig sein.  Wo  ich staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen musste, habe ich jeden Pfennig zurückgezahlt. Wären meine Eltern nicht gewesen – aber sie waren ja da.

Vor drei Jahren wurde mir dann klar, dass alles, was ich besitze, Müll ist in der Stunde des Todes (bis auf die Tupperware).  Ich habe seitdem ordentlich reduziert und bewahre nur das Zeug, mit dem ich wirklich leben will. Das Wertvollste, das ich besitze, ist mein Handy (ich ahne, wie sich die Augen des Töchterchens verdunkeln, wenn sie dies liest… sie hasst das Ding). Außerdem bin ich Mutterspeicher – unsere kleine Wohnung ist immerhin ein Elternhaus – und hoffentlich eines Tages Großmutter. Die Kisten mit den Legosteinen und den langhaarigen bunten Ponys vom Flohmarkt müssen bleiben!

Wenn ich meine Bilder aus den Rahmen holen würde, die Photos aus den Alben, meine Aufzeichnungen und einige persönliche Erinnerungsstücke herauskramte – ich würde immer noch in einen Bulli passen.

Alles richtig gemacht.

 

Blau reisen.

IMG_8229

Husch in den Flieger und ab in den Süden: Eine blaue Woche Antalya schimmert noch auf meiner Haut, und verliebt habe ich mich auch (in türkisches Eis).

Abgesehen vom Flug – für den ich bei Gelegenheit 3,02 Bäume pflanzen muss – war ich eine mustergültig brave Touristin: Habe beim Duschen Wasser gespart, die Handtücher durchgehend benutzt, Mineralwasser to go in einer wiederverwendbaren Plastikflasche abgefüllt und meinen Teller immer leer gegessen. Die Büffets waren ausschließlich aus regionalen Erzeugnissen zusammengestellt, die Bezugsnachweise für alle Lebensmittel hingen aus, und so weiß ich, dass sogar mein Black Angus-Steak vom letzten Donnerstag auf einem Hof nördlich von Manavgat aufgewachsen ist. Es wurde übrigens serviert zu einer überbackenen Thymian-Tomate und einem Klecks Kartoffelpüree an Rosmarinpesto. Und das war mein einziger Ausrutscher, denn ansonsten habe ich ausschließlich köstliche türkische Speisen genossen (deren Namen ich kaum aussprechen konnte geschwiege denn erinnere…) und gegrillten Fisch :-).

Nicht einmal ins Meer gepinkelt habe ich. Vielleicht können sich die Älteren unter Euch noch an die Fernsehserie „Das blaue Palais“ erinnern, an die Folge, als man den Probanden Unsterblichkeit versprach? Sie verloren ihre Unbefangenheit.

Um es kurz zu machen: Am letzten Abend sollte es am Strand eine Schaumparty geben. Und obwohl ich sicher kein Partygirl bin, habe ich barfuß im glitschigen Sandstrandschlamm zwischen weißkühlweichen Schaumbergen getanzt und vielleicht einen Pina Colada zuviel geschlürft. Vielleicht habe ich unterm Sternenhimmel „I can´t get no satisfaction“ mitgegrölt, bin vielleicht mit Klamotten im Meer schwimmen gewesen und habe vielleicht mit einer Horde Neunjähriger um Mitternacht eine Schaumballschlacht veranstaltet. Vielleicht habe ich sogar im Schutz der am Ufer geparkten Katamarane – ach, nicht so wichtig.

Es war ein toller Urlaub (Geschrieben mit noch immer roten Augen. Ich glaube nicht, dass die Seife biologisch abbaubar ist.).