Frohes Neues!

Sie kennen die Fakten, Herrschaften: Einmal im Jahr dürfen Kinder, Idioten und Besoffene nach Herzenslust mit Sprengstoff hantieren. Weit über 100 Millionen Euro werden dafür ausgegeben, Hauseingänge zu sprengen, Scheiben explodieren zu lassen, Körperteile abzureißen und ältere Damen vom Fahrrad zu bomben (ist glimpflich ausgegangen: Jacke tot, Hand heilt). Wie lustig es ist, Raketen aus der Hand zu starten und die Nachbarn auf der anderen Straßenseite ´mal richtig zu erschrecken. Oder dem Busfahrer einen Böller direkt vor die Frontscheibe zu ballern. Und dann, wenn Hamburg schlafen möchte, in jedem Hof einen Vogelschreck zu zünden. Die fallen alle aus ihren Betten!

Wenn ich ein neues Jahr wäre, würde ich mich bei so einem Empfang direkt wieder verpissen. Habe eine Anzeige gegen den Bürgermeister wegen Körperverletzung erwogen, aber auch hier gilt: Das muss man politisch regeln. Leider sind Silvesterspaßbremsen nicht gern gesehen bei den Grünen. Hamburg hat Wind und Stadtreinigung, lass uns lieber über Dieselfahrverbote reden. Außerdem machen es doch alle schon immer. Willst Du den Papis dieser Welt wirklich verbieten, vier Raketen in den Himmel zu jagen, nur weil Luft und Umwelt dann noch dreckiger sind als vorher?

Mein Vorschlag: Es werden Zeiten und Zonen ausgewiesen, wo die Knalköpfe unter sich sind, unter Aufsicht der Feuerwehr, auf öffentlichen Plätzen zum Beispiel. Oder die Gemeinden veranstalten Feuerwerke. Wenn man die Überstunden von Polizei, Rettungskräften und Ärzten in der Silvesternacht einspart, bleibt dafür genug übrig.

So, jetzt sind wir bei den guten Vorsätzen, same procedure as every year. Wollen Sie auch öfter auf Plastikverpackungen verzichten? Oder wollen Sie sich dafür einsetzen, dass unser Plastikmüll nicht in die Weltmeere entsorgt, sondern anständig recycelt oder sauber vernichtet wird? Wollen Sie mehr frisches Obst und Gemüse vom Markt kaufen? Oder mithelfen, dass gute Lebensmittel in jedem Supermarkt angeboten werden? Wollen Sie öfter zu Fuß gehen? Oder wollen Sie, dass sich jeder umwelt- und ressourcenschonende Autos leisten kann? Wie auch immer: Bleiben Sie gesund. Ich wünsche Ihnen ein friedliches und fröhliches 2019. Und immer eine Amsel im Baum vor dem Haus.

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Warum ich Ihnen nichts mehr raten mag.

Der Vorteil selbstgewählter Schreibregeln ist ja, dass ich sie jederzeit brechen darf. Diejenige zum Beispiel, die dafür sorgen soll, dass ich Ihnen nicht in Ihre Timeline kotze. Bevor so etwas passiert, putze ich lieber das Treppenhaus. Oder den reinkarnierenden Arabbiata-Fleck auf dem Sofa … (Erledigt.) (Immer noch wütend.)

(Vielleicht wäre ich gelassener, wenn meine Füße nicht buchstäblich kaputtgegangen wären. Und ein Orthopäde, der aussieht wie der Adler aus der Muppet-Show, mir nicht Einlagen verschrieben hätte, die genau dort, wo es richtig weh tut, extra fies drücken. Das entlastet angeblich die Sehnen. Fühlt sich aber an wie Legosteine im Schuh. Während man einen Krampf hat. Und dann noch die Grippe. Seit drei Wochen. So sehe ich das Ummichherum nur mit tränenden Augen. Dass mit der Kettensäge gekahlt wird, zum Beispiel, gärtnerischer Frühjahrsputz, direkt vor dem Fenster wurden Nistplätze von Schwanzmeise, Zaunkönig und Amsel vernichtetAber nicht nur das.)

Man spricht über Mikroplastik in Kosmetik. Verbote sind kleinfeiner Scheiß, denn was ist mit dem riesigen Rest? Man spricht über Fahrverbote. Luftverschmutzung, Feinstaub, Stickoxide – alles böse. Und dann fordert irgendjemand irgendetwas, und das hilft vielleicht. Ein bisschen. Nur ein bisschen. Denn:

Wer stoppt die großen Dreckschleudern? Wer schafft das Silvesterfeuerwerk ab? Wer filtert Mikroplastik aus dem Abwasser jeder Waschmaschine? Wer reduziert den Reifenabrieb? Wer macht endlich den öffentlichen Nahverkehr attraktiv? Wer pflanzt Bäume in die Stadt? Wer rettet die Bienen? Wer schützt die Meere? Wer verschärft Klimaabkommen? Warum ist Sudan gestorben?

Auch wenn irgendwo noch ein Becher mit Sperma existiert: So ein letztes totes nördliches Breitmaulnashorn zeigt in aller Deutlichkeit, dass wir die Welt nicht hier  retten können, nicht im Deutschland-Paradies, nicht indem wir Kaffeebecher wiederverwenden und Glühbirnen auswechseln. Das glaubt vielleicht der Rest der Bande – aber nicht Sie. Nicht wir.

Das wenn-jeder-ein-bisschen-Konzept ist nice und die Idee gefällt mir immer noch. Aber das reicht nicht.

too fast, too fashion.

     

Als am anderen Ende der Welt 2011 Fukushima hochging und ich atemlos die Nachrichten verfolgte, da titelte ein Hamburger Morgenblättchen mit dem Photo eines toten Hundes in einem Straßengraben: „WER HAT IHM DAS ANGETAN?“ Ich habe nie wieder eine Ausgabe gekauft.

Gestern habe ich mir meine tru blu-Lieblingsjeans (zero chemicals & reduced water consumption) mein Cotton-made-in-Africa-T-Shirt und meine Lieblingsstrickjacke  (Label des Danish Fashion Ethical Charter) angezogen und mir im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe die „fast fashion“-Ausstellung angesehen, „die Schattenseiten der Mode“. Natürlich war ich vorbereitet auf das, was mich dort an Informationen erwartete, aber die Konfrontation mit Bild und Ton war schwer auszuhalten. Der Raum war voller Besucherinnen und Besucher. Wir schwiegen, alle. Bedröppelt. Im slow fashion-Teil der Ausstellung ging es dann um so lebhafter zu, dort konnte ich über meine Eindrücke sprechen, diskutieren, den Kloß im Hals mit guten Vorsätzen spicken, auch fotografieren. Und laut darüber nachdenken:

Ja verdammt, Menschen sind zu Mitleid fähig. Dass wir Haustiere manchmal genau so mögen wie Menschen, muss man wohl hinnehmen, ist aber ganz schön ungerecht, vor allem anderen Tieren gegenüber. Dass uns alles, was nicht unmittelbar vor unseren Augen passiert, weniger interessiert, ist wohl eine menschliche Schwäche, kann aber unmenschliche Züge haben. Dass wir die Augen zumachen, die Verantwortung anderen überlassen, dass man sich wirklich jeden Dreck leisten kann, wenn jemand dafür bezahlt, das ist zum Kotzen. Aber dass es um nicht mehr und nicht weniger als Mode geht, wofür Menschen und Tiere gequält werden, Gewässer vergiftet, Lebensräume zerstört werden, ist unerträglich.

Das globale Geschäft mit der Bekleidung ist gigantisch und skrupellos, aber am Ende des Tages geht es auch dort nur um´s Geld. Und das haben wir in unseren Portemonnaies. Wir.

Wäre schön, wenn man die Ausstellung in jedem bundesrepublikanischem Einkaufszentrum zeigen würde. Das Thema ist nicht museumsreif. Und für mich heißt es nun, Gütesiegel zu studieren:

http://www.siegelklarheit.de/home

https://www.otto.de/reblog/rexikon/

Blau reisen.

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Husch in den Flieger und ab in den Süden: Eine blaue Woche Antalya schimmert noch auf meiner Haut, und verliebt habe ich mich auch (in türkisches Eis).

Abgesehen vom Flug – für den ich bei Gelegenheit 3,02 Bäume pflanzen muss – war ich eine mustergültig brave Touristin: Habe beim Duschen Wasser gespart, die Handtücher durchgehend benutzt, Mineralwasser to go in einer wiederverwendbaren Plastikflasche abgefüllt und meinen Teller immer leer gegessen. Die Büffets waren ausschließlich aus regionalen Erzeugnissen zusammengestellt, die Bezugsnachweise für alle Lebensmittel hingen aus, und so weiß ich, dass sogar mein Black Angus-Steak vom letzten Donnerstag auf einem Hof nördlich von Manavgat aufgewachsen ist. Es wurde übrigens serviert zu einer überbackenen Thymian-Tomate und einem Klecks Kartoffelpüree an Rosmarinpesto. Und das war mein einziger Ausrutscher, denn ansonsten habe ich ausschließlich köstliche türkische Speisen genossen (deren Namen ich kaum aussprechen konnte geschwiege denn erinnere…) und gegrillten Fisch :-).

Nicht einmal ins Meer gepinkelt habe ich. Vielleicht können sich die Älteren unter Euch noch an die Fernsehserie „Das blaue Palais“ erinnern, an die Folge, als man den Probanden Unsterblichkeit versprach? Sie verloren ihre Unbefangenheit.

Um es kurz zu machen: Am letzten Abend sollte es am Strand eine Schaumparty geben. Und obwohl ich sicher kein Partygirl bin, habe ich barfuß im glitschigen Sandstrandschlamm zwischen weißkühlweichen Schaumbergen getanzt und vielleicht einen Pina Colada zuviel geschlürft. Vielleicht habe ich unterm Sternenhimmel „I can´t get no satisfaction“ mitgegrölt, bin vielleicht mit Klamotten im Meer schwimmen gewesen und habe vielleicht mit einer Horde Neunjähriger um Mitternacht eine Schaumballschlacht veranstaltet. Vielleicht habe ich sogar im Schutz der am Ufer geparkten Katamarane – ach, nicht so wichtig.

Es war ein toller Urlaub (Geschrieben mit noch immer roten Augen. Ich glaube nicht, dass die Seife biologisch abbaubar ist.).

Mein Schatz.

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Ich habe sie alle geliebt: Das dicke Nokia mit integriertem Funkmast, die Minis in Edelplastik mit knarzigen Wechselcovern, mit erster und später sogar korrekter Fotofunktion (man konnte das Motiv erkennen :-)): Kleine Wunder der Technik. Klar rede ich von meinen Handys. Wie viele habt Ihr noch zu Hause herumliegen?

Ein halbes Dutzend habe ich aufbewahrt. Weil ich versuche, mit allem zu rechnen, bin ich gern gut ausgestattet. Ich könnte – rein theoretisch – aus dem Stand zwei Laternen basteln (falls Kinderbesuch oder Martinsumzug…), mich ein halbes Jahr von Dosenfrüchten ernähren (falls Obstembargo oder Mandarinensteuer…) und aus meiner Faschingskiste jeden fiesen Modetrend der letzten 5 Jahrzehnte nachstylen (falls Partyeinladung von Richard Gere…). Wer weiß denn, ob nicht gerade eines meiner alten Handys eines Tages die Menschheit retten wird, weil ausgerechnet mein Methusalem kompatibel mit den Kommunikationschips der Alien-Besatzer ist?

Als Film-Fan weiß ich, dass wahrscheinlich nur ein Handy aus LA oder New York die  Menschheit retten kann, weil Aliens immer nur dort landen. Als Neu-Ökovernünftige weiß ich, dass ich die Handys umweltgerecht entsorgen sollte:

  • Die großen Telefongesellschaften bieten die kostenlose Rücknahme alter Handys an. Sie werden entweder – nach Bergung der Schatzstoffe – fachgerecht entsorgt oder aufbereitet und weiterverkauft. Das soll laut Verbraucherzentrale sogar ganz gut sein, weil die Weiterverwendung umweltschonend ist und in Entwicklungsländern ein wichtiger Beitrag zur Ökonomie sein kann. Die Erlöse können an Umweltprojekte, soziale Projekte oder den WWF gespendet werden. Die Teledingsda bietet stattdessen auch einen Gutschein (natürlich einzulösen bei der Teledingsda) an.
  • Vereinzelt werben gemeinnützige Organisationen um unsere Schätze, z.B.  NABU, viafrica, CARITAS.
  • Die städtischen Recycling-Höfe nehmen die Handys selbstverständlich auch an.

Nach http://www.vz-nrw.de/wohin-mit-dem-alten-handy- sei die kommerzielle Handyeinsammlung vertrauenswürdig, da sich das Recycling aufgrund des hohen Edelmetallgehaltes lohnt. Lohnend ist auch der Weiterverkauf gebrauchter Handys, das belegt die Bereitschaft, pro Schatz 1 bis 3 € zu spenden. Diese Geräte können sich dann auch ärmere Menschen leisten, zumal es in weiten Teilen Afrikas nur Mobilfunk geben soll, aber kein Festnetz. Dort sei man auf Handys angewiesen.

Also: Es ist Vollmond. Falls nicht heute Nacht ein Alien in meinem Schlafzimmer landen sollte, werde ich morgen etwas Gutes tun.